Turiner Straßenbahnlinien. Die Entwicklung des städtischen Straßenbahnnetzes von der SBT zu GTT (2007)

 

         

Antonio Accattatis

Linee tranviarie a Torino. L'evoluzione della rete tranviaria cittadina dalla SBT al GTT
(Veröffentlichung in italienischer Sprache)

2007, Phasar edizioni

VERGRIFFEN

Zur Darstellung der Entwicklung des Turiner Straßenbahnnetzes wird jede einzelne Linie unter die Lupe genommen, wobei das Augenmerk besonders auf die sich im Laufe der Jahre ändernden Linienführungen, auf die jeweils eingesetzten Wagentypen, und auf weitere Aspekte und Kuriositäten gerichtet wird.
Die Linien werden innerhalb der verschiedenen Netze abgehandelt, zu denen sie jeweils gehörten. Dadurch ergibt sich eine Gliederung in vier Kapiteln, wobei mit den  Straßebahnnetzen der SBT-STT begonnen, dann die Netze von SAEAI-ATM und ATM-GTT beschrieben und schließlich zu den verschiedenen Vorort- und Überlandnetzen ins Turiner Umland fortgeschritten wird. Im Anhang werden noch die farbigen Liniensymbole wiedergegeben, mit denen die Linien anfangs viele Jahre lang beschildert waren, aus der Berichterstattung und Unterlagen
des Zweiten Weltkriegs werden Listen mit kriegsbedingten Linienbeschränkungen und Bombenschäden  zusammengestellt, sowie ein Verzeichnis mit Nachtlinien beigefügt.

 

Die SBT-STT-Trambahnnetze

LTT1Ab 1872 erhalten die Société Belge-turinoise des Tramways (SBT) e la Società Torinese di Tramways e ferrovie economiche (STT) die ersten Konzessionen zum Betrieb städtischer Trambahnlinien. Die zunächst konkurrierenden, beide mit belgischem Kapital gegründeten Gesellschaften schließen sich später zusammen und begründen damit das erste Turiner Straßenbahnnetz. Das anfänglich mit Pferdebahnwagen betriebene Netz wird um die Jahrhundertwende elektrifiziert und 1922 vom städtischen Straßenbahnbetrieb "Azienda Tranviaria Municipale" (ATM) übernommen, nachdem die privaten Konzessionen von der Stadt abgelöst worden sind.

 

Das SAEAI-ATM-Netz

1897 tritt ein dritter Betreiber auf die Bühne des Turiner Straßenbahnverkehrs. Es handelt sich um die Oberitalienische Elektrizitätsgesellschaft "Società Anonima Elettricità Alta Italia (SAEAI)", die Konzessionen für gleich sechs neue Linien erhält, auf denen von Anfang an elektrisch gefahren wird. 1906 beschließt der Turiner Stadtrat die Ablösung dieser Konzessionen und begründet damit den städtischen Straßenbahnbetrieb ATM, der bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine rasante Entwicklung durchmacht. In den zwanziger Jahren wird auch das SBT-STT-Netz von der Stadt übernommen, wodurch ein einheitliches, flächendeckendes und funktionales Straßenbahnnetz entsteht. In der Nachkriegszeit zeigt dieses Netz dann aber durch  das ungezügelte Anwachsen der Stadt in den 50er und 60er Jahren zusehends seine Schwächen und erleidet zugunsten von neuen, anpassungsfähigeren Autobuslinien vielfältige Streckenkürzungen und -stillegungen -  riskiert zeitweilig sogar die völlige Einstellung des Straßenbahnbetriebs.

 

Das ATM-GTT-Netz

1982 ensteht ein neues, mit Hilfe von Verkehrsflussanalysen entwickeltes Liniennetz, das das vorhergehende komplett ersetzt. Auf dem Papier sind fünf gänzlich auf eigener Spur fahrende Stadtbahnlinien LTT2 und acht traditionelle Staßenbahnlinien vorgesehen, aber tatsächlich werden nur 10 Linien straßenbahnmäßig betrieben. Auch der Übergang ins neue Jahrtausend zeigt sich mit Licht- und Schattenseiten. So werden im Zusammenhang mit der Eröffnung der neuen U-Bahn gleich ein paar Straßenbahnlinien eingestellt, aber dafür bekommen am Stadtrand liegende Viertel wie Mirafiori Sud und La Falchera endlich durch entsprechende Streckenverlängerungen einen Straßenbahnanschluss.

 

Das Überlandnetz und die Superga-Zahnradbahn

Um das Jahr 1880 erhalten mehrere Gesellschaften Konzesseionen für das Betreiben von Dampfstraßenbahnen in das Turiner Umland. So werden verschienene Vorortlinien wie z.B. nach Moncalieri oder Veneria eröffnet, aber auch Überlandstrecken in weiter erntfernte Ortschaften wie Pinerolo oder Saluzzo gebaut.  In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts werden diese Linien grunderneuert und elektrifiziert, einige von ihnen, gehen in die Hände der kommunalen  Verwaltungen über und werden fortan von der SATTI  betrieben. Mit dem Anwachsen des Autoverkehrs wird das Nebeneinander von schienengebundenem und bereiftem Verkehr immer schwieriger, so dass es leider keine dieser Linien schafft, die 50er Jahre zu überleben.