ACEGAT TRIEST,  TW 447

Baujahr: 1938

EINFÜHRUNG

Der “Triester Wagen” TW 447 (erbaut 1938 von Stanga für AGEGAT Triest) gehört zusammen mit TW 961 zum dritten und letzten Aufarbeitungsauftrag, der dank der Zuschüsse von Umweltminister und GTT im Zusammenhang mit der 2011 eingerichteten Turiner Museumslinie vergeben werden konnte. Die Trambahn wurde der ATTS 2008 von AMIT Rom als Schenkung überlassen.

TECHNISCHE DATEN UND FAHRZEUGGESCHICHTE

Zu einer kurzen Darstellung der Fahrzeuggeschichte und der technischen Daten verweisen wir auf die entsprechende Seite in der Rubrik "Fahrzeuge".

DER AUFARBEITUNGSPLAN

Die ATTS hat den Wagen in den Zustand seiner Indienststellung zurückversetzt. Dabei muss daran erinnert werden, dass auf Grund der gegenwärtigen Betriebsbestimmungen für den Einsatz auf dem Turiner Straßenbahnnetz einige technische Anpassungen von Nöten waren, so wurde z.B. als Stromabnehmer ein moderner Turiner Pantograph, wie auch eine frequenzgesteuerte Weichenstelleinrichtung eingebaut, und die Scheinwerfer und die Signalbeleuchtung musste der heutigen Straßenverkehrsordnung angepasst werden. Diese Änderungen haben das Aussehen des Fahrzeugs leicht verändert, aber die ATTS hat dafür gesorgt, dass sie so unscheinbar wie möglich ausfielen. Da die Führerstände nicht vom Fahrgastbereich abgetrennt werden konnten (außer man hätte die Innenausstattung komplett umgestaltet), ist die Tram auf Grund moderner gesetzlicher Bestimmungen als Einrichtungswagen restauriert worden, obwohl äußerlich noch alle Merkmale des ursprünglichen Zweirichtungsfahrzeuges vorhanden sind. Eine künftige Ausrüstung mit einem Original-Triestiner Scherenstromabnehmer ist nicht ausgeschlossen.

VERLAUF DER AUFARBEITUNG

 

2008

Im Februar 2008 kommt die ATTS in den Besitz des Tramwagens, nachdem er von einem römischen Straßenbahnfan gekauft und auf ein Freigelände in der Nühe der Ortschaft Bufalora gebracht worden war. Zuvor war der Wagen in Piana delle Orme in der Pontinischen Ebene abgestellt. Die Schenkung erfolgte durch die AMIT Rom, in der Person ihres Vorsitzenden Herrn Giuseppe De Grisantis. Der Wagen war damals in einem sehr heruntergekommen Zustand, so dass er nichts Gutes für die Zukunft versprach. Mit einem Schwertransport wurde TW 447 dann von Latina nach Turin überführt, wobei dieser Transport erstmalig direkt zu Lasten der ATTS-Vereinskasse ging.

Das Fahrzeug ist soeben an Bord eines Tiefladers in Turin angekommen, wo es im Betriebshof San Paolo auf einem Betriebsgleis des Bahnanlagenbaus abgeladen wird. In einer der drauffolgenden Nächte wird es dann auf das Depotgelände nach Sassi geschleppt.

2010

TW 447 bleibt über zwei Jahre lag im Außenbereich des Bahnhofs Sassi abgestellt, bis er im Juni 2010 erneut umzieht. Diesmal geht es nach Moretta (Prov. Cuneo), wo er nun geschützt in der Werkhalle untergestellt wird und darauf wartet, dass Modalitäten und Ablauf seiner Aufarbeitung festgelegt wird.

2011

Im Laufe der ersten Monate des Jahres 2011 verlässt TW 447 Moretta in Richtung Salerno, wo der Karosseriebauer Nuova San Leonardo auch die Ausschreibung für die Restaurierung dieses Wagens gewonnen hat. Unten sieht man Fotos von der Sanierung des Wagenkastens.

Weitere Fotos zeigen das frisch lackierte Fahrzeug Anfang September 2011. Noch fehlt ein Teil der Inneneinrichtung und natürlich die Instandsetzung der gesamten Antriebs- und Steueranlage.

Während der ersten Oktobertage 2011 sind die Arbeiten bei der Karosseriebauwerkstatt Nuova San Leonardo abgeschlossen und das Fahrzeug tritt seine Rückreise ins Piemont an. Dort kommt es zunächst zur Metalmeccanica Moretta, in deren Werkstatt Antrieb und Steuerung instand gesetzt werden (Unten einige Fotos von Frühjahr 2012).

2013

Die Arbeiten am TW 447 liegen still. Um wieder liquide zu werden, studiert der GTT-Vorstand Refinanzierungspläne, die die Schließung, bzw. die Auslagerung einiger Betriebszweige vorsehen. Eine dieser Sparmaßnahmen sieht (im Mai 2013) ausgerechnet den Verkauf der Metalmeccanica Moretta vor. Die dortige Belegschaft fühlt sich verraten und beginnt angesichts der unsicheren Zukunft mit Protestaktionen. Dadurch kommt es aufgrund von Arbeitsniederlegungen und Materialengpässen zu einer beschwerlichen Hängepartie, die die Arbeiten am TW 447 praktisch zum Stillstand bringen. Dazu gesellt sich auch noch ein technisches Problem mit den Fahr- und Bremswiederständen, für das monatelang keine Lösung gefunden wird.

2014

Im April 2014 wird der geplante Verkauf der Metalmeccanica Moretta seitens der GTT fallen gelassen und der Stillstand scheint nun teilweise überwunden. Trotzdem schreiten die Arbeiten am TW 447 nur schleppend voran, denn es fehlen außer kleineren Dingen, wie den Bremsschuhen der Magnetschienenbremse, noch immer ganze Bereiche der Strarkstromzuleitungen und die gesamte Inneneinrichtung.

Schließlich wird der Wagen im November  nach Turin zurückgebracht und im Betriebshof Sassi untergebracht, wo die ATTS-Werkstattgruppe eine Reihe von Arbeiten durchführt, die für die Betriebszulassung unbedingt nötig sind. Auf dem Trolley-Festival 2014 wird TW 447 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, aber er muss am Hacken des GTW 2759 dorthin geschleppt werden, weil er noch über keine Fahrerlaubnis verfügt.

2015

Die Straßenbahn wird in die GTT-Hauptwerkstatt verlegt, wo die letzten Vorprüfungen vor der behördlichen Abnahme durchgeführt werden sollen, aber bei den Testläufen treten einige technische Probleme auf, die vorher nicht beobachtet worden waren. Eines davon betrifft die Sandstreurohre, die mit den Drehgestellen in Konflikt kommen. Weitere unvorhergesehene Arbeiten sind erforderlich, die Zeit zieht sich hin ….

2016

Auf dem Triester Wagen scheint ein Fluch zu liegen. Die Wiederaufarbeitung ist (bis auf den Einbau der Längsbänke durch die ATTS-Werkstattgruppe) praktisch abgeschlossen und alles ist für die Endabnahme vorbereitet, als - bumms - ein Seitenfenster zu Bruch geht. Es zersplittert einem der beteiligten GTT-Ingenieure praktisch in der Hand in tausend kleine harmlose Scherben (Es handelt sich um Sicherheitsglas). Aber nachdem ein Glaser gerufen worden ist, der die Scheibe ersetzen soll, zersplittert auch diesem die Scheibe beim Einbau! Kaum zu glauben!

Im November wird der Wagen endlich abgenommen und erhält seine Zulassung. Am Abend des 28. November veranstaltet die ATTS eine Einweihungsfahrt, auf die sich die Bilder unten beziehen:

Der Wagen ist auch beim Trolley-Festivals 2016 – zwei Jahre nach seinem ersten Auftritt – im Fahrgastdienst eingesetzt. Im Innenraum der Bahn fehlen allerdings noch die Bänke, aber die Erwartung, den Wagen endlich im Einsatz zu sehen, sind zu groß, als dass man noch hätte warten wollen, bis der Einbau der Bänke abgeschlossen ist.

2017

 

Nachdem das Trolley-Festival zu Ende und die Weihnachtsferien vorbei sind, krempeln sich die Ehrenamtlichen der Werkstattgruppe die Ärmel auf und machen sich an den Einbau der Sitzbänke. Das ist weniger einfach als gedacht, denn die verwendeten Bänke kommen aus Altbeständen und die abwechselnd hellen und dunklen Holzlatten der Bänke müssen nicht nur zuerst nachgearbeitet und neu lackiert, sondern auch beim Einbau in den Wagen angepasst werden. Parallel dazu beschäftigen sich die ATTS-Mitglieder auch mit der komplexen Außenbeschriftung, die dank der von den Triester Tramfreunden zur Verfügung gestellten Unterlagen, rekonstruiert werden kann. Im Innenraum wird auch ein Paneel der Seitenverkleidung durch Plexiglas ersetzt, um den Fensterhebemechanismus sichtbar zu machen.

Fast fertig (es fehlt nur noch der eigentümliche kegelförmige Linienanzeiger auf dem Dach) kommt der Tramwagen während des Turiner Patronatsfestes Sankt Johannis am 24. Juni erneut zum Einsatz und erntet dabei einen beachtlichen Publikumserfolg. Doch das Pech scheint den TW 447 nicht zu verlassen, denn beim Einrücken in den Betriebshof zersplittert das besagte Fenster zum dritten Mal. So hindern das zeitraubende Warten auf Ersatzteile und andere widrige Umstände die ATTS-Werkstattgruppe ein weiteres Mal daran, am Fahrzeug zu arbeiten, so dass es wohl für den Rest des Jahres nicht mehr einsetzbar ist. Schließlich bleiben nur noch die „Linienanzeigekegel“ zu rekonstruiert, die angebracht werden, sobald sie zur Verfügung stehen.